Die Männer rührten sich nicht.
»Kennt ihr mich nicht?« herrschte er sie an. »Ich stehe der provisorischen Regierung nahe und befehle euch, auf der Stelle aus meinem Hause zu gehen!«
Da trat der Leipziger wieder vor und sagte:
»Machense nu mal weider geene Mährde un nähmse Vernumft an. Das Haus wärd ähm angebrannt! Dadervon beißt änne Maus gee Fädchen ab.«
Advokat Marschall erkannte, daß er machtlos war, und seine ohnehin schon gänzlich untergrabene Willenskraft brach plötzlich zusammen. Verzweifelt fuhr er mit den Händen in sein weißes Haar, das feucht an den Schläfen klebte. In sein verstörtes Gesicht schoß ein Ausdruck, wonach er sich in der nächsten Sekunde auf die Männer stürzen oder weinen mußte.
»Aber ihr seht ja,« stammelte er mit erstickter Stimme, »daß meine Frau krank zu Bett liegt. Sie kann bei Lebensgefahr das Haus nicht verlassen.«
»Auf ein Leben mehr oder weniger kommt's jetzt nicht an,« sagte der Schärpenträger verächtlich. »Was ist denn nun schon weiter dabei, wenn eine alte Frau stirbt, wo so viel junges Blut dahin ist. Wer fragt nach unserm Leben!«
Frau Marschalls Pulse flogen, und ihre runzligen Hände zuckten ohne Rast auf dem Deckbett hin und her.
»Der Heinrich muß kommen,« stammelte sie und wandte in unaussprechlichem Schmerz die Augen von ihrem seelisch völlig gebrochenen Mann, weil sie seinen Anblick nicht mehr ertragen konnte.