Mit diesem heftigen Ausbruch hatte sich Heinrichs Zorn aber auch schon wieder verflüchtigt, und sein schwerblütiges Temperament kam obenauf. Und als er noch dazu Frau Marschall sah, deren Augen starr an ihm hingen, erhielt er seine volle Besonnenheit wieder.
»Herr Advokat,« sagte er, »die Madam muß fort …«
»Aber meine Frau ist doch krank und kann nicht aus dem Bett,« stöhnte Marschall verzweifelt auf.
»Das werden wir schon machen,« antwortete Heinrich, der jetzt wieder in seiner ganzen Pomadigkeit war. »Herr Professor Richter hat mir's gestern aufgetragen, daß die Madam fort soll. Wenn es für sie gefährlich wär', hätte er's nicht verlangt. Ich hab' einen Wagen mitgebracht, der die Madam nach dem Trompeterschlößchen fährt. Aber wir dürfen keine Minute mehr verlieren; unten im Hause spielt die Brut schon mit Feuer.«
Während der letzten Worte war er zu der Kranken getreten, hob sie samt dem Unterbett und der Zudecke wie ein Spielzeug in die Höhe und schritt mit ihr zur Tür.
Da rief draußen die Stimme des Leipzigers:
»Härnse, mit der Frau gennse nich mehr iewer die Drebbe gehn, 's Geländer brennt schoon. Die andern Leide gomm' noch nunter, aber de Beddn fangn glei Feier.«
In der Tat zeigte sich auf dem Flur dicker Qualm, der bereits in die Kammer eindrang. Bei diesem Anblick verlor Advokat Marschall alle Beherrschung und fing laut an zu schluchzen.
»Mein Haus! – mein Vaterhaus!« klagte er ergreifend, das Gesicht mit den Händen verhüllend.
Während diesem allen schallte von der nahen Barrikade her unaufhörlich das sinnbetäubende Krachen der Gewehre in die Kammer.