Erstürmung der Hotels des Saxe und Stadt Rom.

Dreizehntes Kapitel

Nun stand Heinrich dicht neben der hohen Barrikade, von der die Verteidiger wie tags zuvor in drei Etagen Schuß auf Schuß abgaben. Schnell wollte er durch den schmalen Zwischenraum zwischen Barrikade und Stadt Gotha hindurchlaufen, als er wenige Schritte vor sich die drohende Mündung einer Kanone erkannte und den durchdringenden Ruf: Achtung! aus dem Feuerlärm heraus hörte. Geschwind prallte er beiseite und sprang mit Geistesgegenwart in die Nische des Hoteleingangs.

Da zerriß auch schon das Krachen des Schusses die Luft, und ein Hagel von Eisenstücken brauste unmittelbar an seinem Gesicht vorbei. Heinrich wurde von der Erschütterung zu Boden geworfen und verlor für einen Augenblick die Besinnung. Noch halb unbewußt sprang er auf und eilte hinter die Barrikade. Hier blieb er stehen und lehnte sich erschöpft an das Haus.

Da erdröhnte der zweite Schuß aus der Kanone. Unwillkürlich blickte Heinrich die Schloßgasse entlang und sah, wie von dem mittleren Durchgang des Georgentores ein schweres Stück des steinernen Bogens auf die Erde geschleudert ward.

Heinrich hatte infolge der starken Erschütterung noch immer das Gefühl des Taubseins. Da wurde seine Aufmerksamkeit durch vielstimmige Rufe erregt. Und als er sich umwandte, sah er, wie vom Altmarkt her eine zweite Kanone an Stricken gezogen im Sturmlauf herangefahren wurde. Es war, wie das andere Geschütz, ein starker Böller, wie Heinrich deren schon bei Festschießen gesehen hatte. Das Rohr war aus Bronze gegossen und reich verziert.

Unter rasendem Jauchzen, das den nervenzerreißenden Lärm des Gewehrfeuers noch übertönte, wurde das schon geladene Geschütz von starken Fäusten auf die Barrikade gehoben und sogleich auf das Königliche Schloß gerichtet. Ein gewaltiger Donnerschlag! – Klirrend zersplitterten noch die letzten Fensterscheiben in den umliegenden Häusern, und ein tumultartiges Gejubel brach aus.

Der offenbar zu stark geladen gewesene Böller machte wie ein aufs Blatt geschossener Hirsch einen Luftsprung, überschlug sich und fiel mit den Rädern nach oben auf die Plattform der Barrikade nieder. In das Rollen der Gewehrschüsse mischte sich stürmisches Triumphgeschrei: oberhalb des Georgentores hatte sich wiederum ein großes Stück Mauerwerk gelöst.

Heinrich konnte das hirndurchbohrende Getöse nicht mehr ertragen. Er fühlte, daß er sich erst eine Weile erholen mußte, bevor er wieder auf die Barrikade stieg. Langsam schritt er die Schloßgasse entlang nach dem Altmarkt.