Schreiber liefen in Eile vorbei, die ihres Amtes entsetzten Stadträte standen beratend beieinander und Freischärler stolzierten herum in lächerlichen Phantasieuniformen und mit mittelalterlichen Spießen, die aus bürgerlichen Waffensammlungen entwendet waren. Auch verängstigte Frauen waren da, die Nachricht über ihre Männer zu erhalten hofften, kommende und abgehende Boten und verhaftete vornehme Bürger, von einem Wall von Pikenmännern umgeben. Den Grund ihrer Festnahme kannte zumeist weder der Verhaftete noch sonst jemand.

Wohin Heinrich blickte, sah er aufgeblasene Mienen, Wichtigtuerei und Kopflosigkeit. Überall wurde geschrien, gelacht, geraucht und auf den Fußboden gespuckt. Schnaps- und Weinflaschen gingen herum, und die Verhafteten wurden verhöhnt und mit unflätigen Reden bedacht.

Da bemerkte Heinrich einen Schreiber des Advokaten Marschall, der jetzt wohl im Dienst der provisorischen Regierung stand. Von ihm erfuhr er, daß Marschall noch nicht hier sei, aber schon längst erwartet würde. Heinrich beschloß, ebenfalls zu warten, und drängte sich in eine Ecke des Saals.

Hier stand im Halbkreis eine Anzahl Kommunalgardisten, hinter denen an einem langen Tisch ein einzelner Mann saß. Vor ihm war eine große Landkarte von Sachsen ausgebreitet und daneben ein Plan von Dresden, den er sorgfältig studierte. Der Mann gefiel Heinrich nicht. Er hatte ein bleiches Gesicht, das ein ungepflegter, schwarzer Bart umrahmte, und eine leichtgekrümmte, scharfgeschnittene Nase.

Jetzt trat ein Offizier in einer wunderlich aufgeputzten Uniform zu dem Sitzenden und sprach mit ihm.

»Wer sind denn diese beiden?« fragte Heinrich einen älteren Kommunalgardisten.

Der Angesprochene, ein biederer Dresdner, legte seinen Mund an Heinrichs Ohr und raunte ihm zu:

»Derde schtehd, is Owerschtleidnand Heinze, der Kommandand unsrer Streidkräfde, un derde sitzd, is Bakunin.«

»Bakunin?«