»Wir können unsere Stellungen also überall halten?« fragte er.
Der Kommandant lächelte überlegen.
»Halten?« erwiderte er, »vorgehen werden wir. Heute mittag soll der Zwinger in unserm Besitz sein. Die Geschütze auf der Barrikade bei Stadt Gotha werden den Schloßflügel über dem Georgentor binnen kurzem in Trümmer geschossen haben. Bis dahin wird es auch gelungen sein, das Taschenbergpalais in Brand zu setzen. Darauf ziehe ich alle Reserven zusammen und nehme das Schloß im Sturm.«
Heinrich starrte den Kommandanten an. Das Schloß stürmen? Der Mann war ein Großsprecher und verstand sicherlich nicht, was es hieß, einen so gewaltigen und stark besetzten Bau anzugreifen. Und von Reserven sprach er? Meinte er damit das verkommene Gesindel, das sich in den Gassen herumtrieb?
Unterdessen empfing Bakunin eine Reihe von Meldungen und gab den Boten kurze schriftliche Befehle mit oder beschied sie mündlich.
Da trat Stadtrat Meisel heran und bat um die Erlaubnis, die in den Häusern zwischen Stadt Gotha und dem Schloß wohnenden Familien auszuquartieren und in der Lüttichaustraße unterzubringen. Diese Häuser der Schloßgasse seien aufs ärgste bedroht.
Bakunin zuckte geringschätzig mit den Achseln.
»Was – Häuser,« antwortete er wegwerfend, »laßt sie in die Luft fliegen! Meinetwegen mögen die Bewohner sie räumen. Aber die Barrikadenbesatzung soll deshalb das Feuer nicht für eine Minute unterbrechen.«
Stadtrat Meisel wandte sich eilends ab.
»Das ganze Erzgebirge ist im Aufstand,« hob der Kommandant wieder an. »Zu jeder Stunde können wir bedeutende Zuzüge erwarten.«