Als er seine Stube betrat, war die ganze Visitation darin versammelt und putzte beim Kerzenschein die Gewehre und Uniformstücke für den Dienst am nächsten Morgen.
Heinrich setzte sich an seinen Tisch am Fenster, stützte den Kopf in die Hand und sah sinnend hinaus in die Dunkelheit und auf die gegenüberliegenden Häuser der Ritterstraße. Unten im Speisesaal schälte eine Kompagnie Kartoffeln; ihr Gesang schallte dumpf aus der Tiefe herauf:
Was nützet mir ein schöner Garten,
wenn Andre drin spazieren gehn.
Hinter ihm pfiffen die Mannschaften Tanzbodenmelodien und machten derbe Scherze. Der junge Korporal am Fenster hörte es kaum.
Zu Marschalls sollte er nicht mehr gehen? Die Menschen sollte er meiden, von denen er so viel Liebes und Gutes erfahren?
Der Vater hatte des Advokaten politische Anschauung getadelt! Wer so hohe Ehrbegriffe besaß wie Marschall, wer in der ganzen Stadt solche Achtung genoß und heimlich so viel Wohltaten erwies, – ein solcher Mann sollte einen Vorwurf verdienen? Heinrich lachte bitter in sich hinein, wenn er Marschall mit seinem Vater verglich. Nur ein wenig möchte der Vater von Marschalls Herzensgüte besitzen!
Des Grübelnden Aufmerksamkeit wurde jetzt auf die Vorgänge in der Stube gelenkt. Der Gefreite vom Tagesdienst war mit dem Parolebuch vom Hauptmann zurückgekehrt. Er warf die große Ledertasche auf den Tisch und schnallte das Seitengewehr ab.
»Kameraden,« sagte er laut und nahm den Tschako vom Kopf, »heute ist im Körnergarten zur Erinnerung an die Schlacht von Leipzig Tanz. Wie wär's, wenn wir alle hingingen!«
»Wir haben keine Nachtzeichen,« versetzte einer der Soldaten. »Wenn es anfängt schön zu werden, müssen wir nach Hause.«