»Ach was,« sagte der Gefreite mit gedämpfter Stimme. »Wenn wir kein Blech haben, so streichen wir eben Zapfen. Wer hat denn heute Kasernendienst?«
»Der liebe Gott,« erwiderte ein anderer leise und sah verstohlen nach dem Korporal.
»Ffft,« machte der Gefreite, »das ist freilich faul!«
Einige der Soldaten stimmten trotzdem für das längere Ausbleiben, andere fanden es sehr bedenklich.
Da konnte es Heinrich nicht länger aushalten. Er stand auf und ließ eine Kerze auf seinen Tisch stellen. Dann nahm er seinen kleinen Spiegel aus dem Schrank, kämmte sich vor ihm sorgfältig das Haar, zog seinen besseren Waffenrock und die guten Dienststiefel an und schnallte das Seitengewehr um. Nachdem er noch den Mützenschirm mit dem Rockzipfel blank gerieben, schloß er seinen Schrank zu und verließ die Stube.
Der Abend war fast kalt. Leichter Nebel wallte in den Gassen und trübte die halbkreisförmigen Flammen der Gaslaternen. Auf der Allee waren jetzt nur noch wenig Menschen. Aber vor den hellen Schaufenstern drängten sie sich auf dem Bürgersteig.
An der Ecke der Ritterstraße wohnte ein Kaufmann. Heinrich betrat den Laden und kaufte zwei Dreierzigarren. Hiervon brannte er sich eine an, während er die andere zwischen die Waffenrockknöpfe schob. Seit kurzem war ja den Soldaten das Rauchen auf der Straße gestattet, und von dieser Erlaubnis wurde viel Gebrauch gemacht.
Nun schritt er die Hauptstraße entlang. Ob denn der Vater im Ernst daran glaubte, daß er nicht mehr zu Marschalls gehen würde? Heinrich erschien das Verbot mit einem Mal lächerlich. Bis jetzt hatte er in allem das Geheiß des Vaters befolgt, so schwer es ihm zuweilen auch geworden war. Aber hier? Hier konnte, nein, hier wollte er ihm nicht gehorchen! Er hätte damit ja alles aufgeben müssen, was ihm Freude machte. Denn an dieser Familie hing der junge Mann mit seinem ganzen Herzen!