Und als er bemerkte, daß Valentine ihn fragend ansah, fügte er hinzu:

»Die Leute, die vorn an den Fenstern stehen, sind mutige Männer. Ich habe mich vorhin überzeugt, mit welcher Kaltblütigkeit sie schießen. Es ist nur schade, daß sie nicht für eine bessere Sache kämpfen. Sicherlich werden sie auch tapfer aushalten, wenn Mann gegen Mann steht. Und das wird, wie ich vermute, nicht mehr lange ausbleiben.«

»Glauben Sie, daß die Truppen angreifen werden?« fragte Valentine, sich jäh aufrichtend.

»Wenn ich richtig urteile,« erwiderte der Fremde, »haben sie schon zu lange damit gezögert. Vielleicht fühlten sie sich zum Angriff noch nicht stark genug. Aber wie ich hörte, sind jetzt preußische Truppen zu Hilfe gekommen. Auch das Geschützfeuer, mit dem sie das Haus in Trümmer legen werden, weist auf ein baldiges Vorgehen.«

Valentine fühlte ihre Pulse heftig arbeiten. Seit diesem Morgen hatte sie der heimliche Wunsch erfüllt, die Kämpfenden möchten Frieden schließen. Ihr Herz krampfte sich zusammen, wenn sie an die Qualen ihrer Verwundeten dachte, und sie sah die Schuld der für den Aufstand Verantwortlichen ins Riesengroße wachsen.

»Ich liebe den Anblick der in Wut geratenen Soldateska nicht,« erklärte der Fremde, »und vor ihren Taten empfinde ich Grauen. Man kann es wohl verstehen, wenn – in einem Kampf wie hier – die aufs höchste gereizten Truppen die Gebote der Menschlichkeit vergessen. Weh denen, die ihnen aber dann gegenüberstehen! Alle Mannszucht geht in ihrer Wildheit unter. – Doch Ihnen droht nichts, mein Fräulein,« setzte er beschwichtigend hinzu. »Der Soldat bekämpft nur seinen Gegner. Bleiben Sie für alle Fälle ruhig bei Ihren Kranken.«

Valentine erhob sich und ging zur Tür. Der Fremde folgte ihr.

»Es würde mir leid tun, wenn ich Sie erschreckt hätte,« sagte er.

Valentine machte eine verneinende Gebärde.