»Schilt mich, soviel du magst,« murmelte er, »aber ich konnte nicht anders!«
Und als er bemerkte, wie die Augen des Mädchens noch immer in Verwunderung auf ihm hafteten, stieß er gequält heraus:
»Ach, Valentine, du weißt ja, mit welchem Widerwillen ich immer die Uniform getragen habe …«
Valentine antwortete nicht.
Da merkte Heinrich, wie das Gefühl dumpfer Verzweiflung in ihm heraufstieg und ihm die Kehle zuschnürte, daß er nicht schlucken konnte. Sein Herz klopfte mit starken Schlägen. Er vermochte Valentinens starren Blick nicht länger zu ertragen und sah zur Seite.
»Ich hätte nimmermehr auf die bürgerlichen Kämpfer schießen können,« murmelte er, »eher hätte ich die Waffe gegen mich selbst gerichtet. Valentine,« setzte er in schlichter Geradheit hinzu, »wer innerlich so an euch hängt, wie ich, der kann nicht anders! Die Luft in euerm Hause« – hier schwoll seine Stimme mit jedem Wort immer mehr an – »ist für mich der Lebensatem! Ich wäre um keinen Preis zu bewegen, mich in Widerspruch zu euch zu setzen. Nicht länger leben oder desertieren. Etwas anderes gab es für mich nicht!«
Valentine war überwältigt von dem Geständnis der Anhänglichkeit Heinrichs an ihr Elternhaus. Gleichwohl traf sie der leidenschaftliche Ausbruch wie ein Schlag vor die Stirn. Dieser schwache und doch so prächtige Mensch, wie er hier vor ihr stand, der seine Pflicht vergaß und seinen Eid brach aus Treue zu denen, die ihm wohlgetan und von denen er sich geliebt wußte – – – seine Schuld, sagte sich das Mädchen, würde einst andern zugeschrieben werden!
Er ist ein Mann, vernahm Valentine eine innere Stimme, der Gut und Böse unterscheiden kann. Die Tugenden sind das Verdienst des Gerechten und die Sünden die Schuld des Sündigen!