Da schreit plötzlich die schrille Knabenstimme in Todesangst auf: »Herr Leutnant! – Herr Leutnant …!« Dann gibt die junge, durchschossene Brust nichts mehr her. Der Tambour stürzt und rollt mit seiner Trommel seitwärts fort. Leutnant Allmer sieht durch Blut und Rauch, daß andere vor und neben ihm fallen … Stürze, wer mag! – – Vor … wärts! Und: »Hurra! – Hurra!« hört er seine eigene Stimme in rauhen Kehllauten rufen. Und: »Hurra! – Hurra!« fallen die Stürmenden ein. – Stadt Rom ist erreicht! –

Hier stockt der rasende Angriff. Die Fenster sind mit starken Laden verschlossen, und die schwere Tür widersteht allen Axthieben. Nur ihr oberes Feld ist von einer Kanonenkugel zertrümmert worden. Pioniere und Zimmerleute schlagen wie unsinnig mit Beilen auf Tür und Fensterladen. Ohne sonderlichen Erfolg! Die furchtbare Erregung vereitelt besonnenes Handeln.

Die keuchenden Soldaten stehen unterdessen mit Gewehr bei Fuß in kerzengerader Haltung und ohne mit den Wimpern zu zucken vor dem Haus. Jeder bohrt seine Augen auf die verrammelten Fenster; keiner wagt, sich umzusehen. Aus den Häusern zwischen Kirchgasse und Frauengasse werden die zum ohnmächtigen Ausharren Verurteilten unaufhörlich mit Feuer überschüttet. So stehen sie heldenmütig, ohne eine Hand zu ihrer Verteidigung aufheben zu können. Eine Schar, die noch vor wenigen Sekunden mit furchtbarer Gewalt vorwärtsstürmte, – jetzt regungslos wie in Totenstarre, während von rückwärts auf zehn Schritt Entfernung die Kugeln in den dichten Haufen einschlagen, daß die Todesmutigen ruhmlos fallen. Wie Wild, das vor die Büchsen der Jäger getrieben worden ist – – –

Noch hallen die Axtschläge hohl in das Knattern und Heulen der Flintenkugeln hinein, als Leutnant Allmer vom Zorn überwältigt einen furchtbaren Säbelhieb nach einer Stelle des Ladens tut, von der schon wiederholt Stücke absplitterten. Aber der Eisenhauer springt zurück, als habe er Granit berührt. Er hat den schweren Riegel getroffen, der den Laden im Mauerwerk festhält.

Verzweifelt gleiten Allmers Blicke nach dem Fenster rechts vom Tore, dessen Laden den Axthieben soeben nachgegeben hat. Auf der Fensterbrüstung kniet Hauptmann von Budritzky.

»Der sächsische Leutnant dort,« ruft der Hauptmann, zurückschauend, Allmer mit zürnender Stimme durch den Tumult zu; »zum Donnerwetter, Herr, warum sind Sie denn noch nicht drin?!«

Ruft's und springt als Erster von seinen Leuten durch das Fenster hinein.

Da stößt der solchermaßen hart Angelassene knirschend den Säbel in die Scheide, ergreift sinnlos vor Wut mit beiden Händen die untere Kante des Ladens und zieht ihn aus der Fensterhöhlung, daß ihm das Blut unter den Fingernägeln hervorquillt. Ein Dutzend Hände folgt seinem Beispiel. Die schon aus den Fugen geratenen starken Bretter können dieser Kraft nicht widerstehen. Es knirscht und splittert! Noch ein gewaltiger Axthieb, dann reißt der Laden krachend mitten auseinander.

Leutnant Allmer schwingt sich auf die Brüstung. Die Nächststehenden helfen seiner Bewegung nach, daß er im Schwunge durch das Fenster fliegt. Gleichzeitig reißt Feldwebel Mißbach die vor ihm stehenden Soldaten beiseite und wirft seinen Riesenleib gegen die stark erschütterte Tür, worauf diese dröhnend aufspringt. Im Nu sind alle Soldaten im Hause verschwunden.