Die Tür des Zimmers, in das Kurt gesprungen, war verschlossen und mußte von den ihm gefolgten Zimmerleuten erst eingeschlagen werden.
Hinter den stürzenden Brettern sperrte den leeren Korridor ein einzelner Mann – hohläugig und barhaupt, den langen, dürren Leib von einer schwarzrotgoldenen Binde umschlossen. Es war der geistliche Herr aus der Oberlausitz, der fanatische Barrikadenkommandant.
Furchtlos hielt er allein den in Raserei verfallenen Soldaten stand. Er hob die Arme, als wenn er auf der Kanzel stünde, und sprach in beschwörendem Tone:
»Weh' denen, die in Zorn verfallen und wider die heiligen Gebote freveln …«
Da stockte die fromme Rede. Erstaunt guckte der Mann Gottes nach seiner rechten Hand, die mit einem Mal auf dem Fußboden lag. Im nächsten Augenblick saß ihm ein halbes Dutzend Bajonette in der Brust, und der Haufe stürmte über seine Leiche hinweg.
Als Kurt die Treppe hinaufeilte, drängten sich im ersten Stock gerade die letzten Empörer durch eine Tür und warfen diese vor den heranstürmenden Soldaten ins Schloß. Auf dem Treppenabsatz kniete zusammengebrochen Feldwebel Mißbach.
Kurt hielt erschöpft im Laufen inne.
»Was ist Ihnen, Feldwebel?« rief er dem vor sich Hinstierenden zu. »Sind Sie verwundet?«
Der Kniende hob den Kopf. Seine Augen blickten irr auf den Offizier.
»Herr Leutnant,« lallte Mißbach mit schwerer Zunge, »mein Sohn ist dort drin.«