»Feige Bande!« murmelte er verächtlich; »alle auf und davon. Ich stand nur noch allein.«

»Heinrich,« flehte Valentine, am ganzen Körper zitternd, »tu mir's zuliebe!« Und sie legte beschwörend die Hände auf seinen Arm. »Tu es um meiner Mutter willen, guter, lieber Heinrich!«

Ein tiefer Atemstoß kam aus Heinrichs Mund.

»Es geht nicht, Valentine,« sagte er rauh. »Als ich aus der Kaserne entlief, wußte ich, wie es kommen würde. Und trotzdem tat ich's. Alle werden Mitgefühl finden, wenn man sie auch noch so hart verurteilt, – ich allein nicht! Meine Kameraden verachten mich, und die bürgerlichen Kämpfer werden mit Fingern auf mich zeigen. Ich habe nicht nur meinen Eid gebrochen, ich habe auch auf meine Kameraden – geschossen!«

Da blieb Valentine stumm und sah von dem Jugendfreund weg. Schwere Axtschläge hallten an der Tür des Nebenzimmers. Sie weckten das Mädchen aus ihrer Starrheit.

»O Gott!« rief sie. »Der Fremde wird das Haus doch verlassen haben …« Mit diesen Worten lief sie zu der Tür, die in das Nebenzimmer führte, und öffnete.

Der Fremde stand mit dem grünen Schirm über den Augen neben den geschlossenen Koffern zum Fortgehen bereit. In seiner Hand hielt er den Hut. Der greise Kammerdiener sprach erregt auf ihn ein.

Da brach die Tür unter den Axtschlägen zusammen, und ein Schwarm Soldaten mit wutentstellten und pulvergeschwärzten Gesichtern, aus denen das Weiße des Auges furchtbar leuchtete, drängte ins Zimmer. Der Weißhaarige fuhr herum und zog blitzschnell einen Revolver aus seiner Rocktasche. Den Soldaten mit einer beschwörenden Handbewegung entgegentretend, rief er:

»Zurück! Das sind die Zimmer Seiner Durchlaucht des Prinzen von Schwarzbu…«

Ein gräßlicher, dumpfer Schlag, – der Alte stürzte mit zerschmettertem Kopf nieder. Valentine sah, wie der Fremde zu den Eingedrungenen sprechen wollte. Da krachten aus den Gewehren eines sächsischen und eines preußischen Soldaten gleichzeitig zwei Schüsse. Der Fremde warf die Arme in die Luft und brach rücklings zusammen. In sein schweres Aufschlagen auf den Fußboden mischte sich der gellende Schrei eines Weibes, – Valentine war in die Knie gebrochen.