»Denn Ursula hat dich so gepflegt, wie es ein Engel nicht besser hätte tun können.«

Da hörte Kurt leise Schritte sich hastig entfernen, und eine Tür schnappte gedämpft ins Schloß.

Er verstand das Geräusch. Eine tiefe Bewegung ergriff ihn. Tante Sidonie bemerkte es.

»Nun ist es aber für heute genug,« sagte sie. »Jetzt mußt du dich ganz still verhalten, und wir dürfen nicht mehr zusammen sprechen. Morgen wieder, so Gott will.«

Kurt ergriff die Hand des alten Fräuleins und schloß die Augen. Nachdem er eine Weile still gelegen hatte, sah er wieder auf und fragte:

»Wie lange ist es her, daß ich verwundet wurde, Tante Sidonie?«

Das alte Fräulein sah ihn bittend an.

»Laß es für heute genug sein, lieber Kurt. Du bist ja noch so schwach. – Na, meinetwegen. Vorgestern waren es vier Wochen, daß sie dich als Sterbenden hierher brachten.«

Und sie beschrieb mit kurzen Worten, wie er zu Abendroths gekommen war.

Nachdem Tante Sidonie geendet, blickte Kurt lange ruhig vor sich hin. Dann kam eine unwiderstehliche Müdigkeit über ihn, und er schlief ein.