Da trat Ursula auf die Veranda.
Das alte Fräulein erhob sich rasch vom Stuhl.
»Beinahe hätte ich's vergessen,« sagte sie, »ich muß ja Herrn von Abendroth …«
Mit diesen Worten eilte sie in das Zimmer.
Ursula stand regungslos hinter Kurts Lehnstuhl. Eine lange Weile drückenden Schweigens verstrich so. Kurt hörte Ursulas Atem schwer gehen. Da wandte er sich im Stuhl plötzlich um und ergriff ihre Hand. Das Mädchen zitterte, daß sie sich an den steinernen Pfeiler der Tür lehnen mußte.
Kurt wollte sprechen, aber eine tiefe Bewegung hinderte ihn daran. Endlich sagte er:
»Ursula, ich habe deine Liebe schlecht belohnt. Das tut mir bitter weh. Du aber hast das Schlimme, was ich dir zugefügt, mit Aufopferung und Großmut vergolten. Ursula, – kannst du mir verzeihen?«
Ursula war bei diesen Worten bleich geworden. Eine Sekunde lang stand sie mit niedergeschlagenen Augen stumm und unbeweglich. Dann entfuhr ihr ein gepreßter Schrei, und sie sank neben dem Sitzenden auf die Knie nieder und legte ihre Stirn in seinen Schoß.
»Liebste, steh auf,« bat Kurt tief ergriffen, »die Beschämung, die ich erleide, tötet mich sonst!«