Da hob das Mädchen den Kopf und richtete ihre in Tränen schwimmenden Augen auf ihn.
»Nein, Kurt,« sagte sie mit fester Stimme, »du darfst mich nicht um Verzeihung bitten! Ich konnte dir wohl zürnen, aber ich war grausam gegen dich, denn ich hörte nicht auf deine Worte, aus denen ich alles erfahren hätte. Als meine Heftigkeit verflogen war, bereute ich sie. Und Tante Sidonie lehrte mich vollends das bittere Unrecht erkennen, das ich dir zugefügt. Kurt, verzeihe …«
Der Sitzende beugte sich erschüttert herab.
»Sprich nicht weiter,« stammelte er mit bebenden Lippen. »Wer sich von uns schuldig fühlt, mag den andern mit doppelter Liebe für die schlimmen Tage entschädigen. Du hast mir durch deine aufopfernde Pflege das Leben noch einmal geschenkt. Geliebte! Dein soll es nun aber auch fortan gehören, – bis zu meinem letzten Atemzuge!«
»Kurt!« jubelte Ursula hell auf und warf ihre Arme um seinen Hals.
In diesem Augenblick kam Tante Sidonie zurück. Hilflos blieb sie in der Tür stehen. Zwar hatte sie in den letzten Wochen im Träumen und Wachen schon immer das Bild vor Augen gehabt, das sich ihr jetzt so überraschend bot. Aber es war ja doch nur ihre Einbildung gewesen, der höchste Ausdruck ihrer Sehnsucht. Was sie jetzt aber hier sah, war Wirklichkeit – – –
Dem alten Fräulein rannen die Tränen über die faltigen Wangen, und sie trippelte fassungslos hin und her.
»Richtig, der Herr Kriegsrat!« kam es mit einem Mal wie eine innerliche Befreiung von ihren Lippen. »Ach, ich werde ja schon so vergeßlich …«
Damit schoß sie wieder hinein.