S.-A.
»Sachsensport«, Dresden:
Ins Alt-Meißner Land führt er uns hinein, wie es sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert darstellt, von Religionswirren durchtobt, von regem Handel belebt. Zwei Männer stehen im Vordergrund: der strenge päpstlich gesinnte Amtmann Ernst von Miltitz, Schloßherr zu Siebeneichen, der stolzen meißnischen Burg, die dem Buch den Namen gegeben, und Georg Waltklinger, Meißens ehrenfester, treu evangelischer Burgemeister. Zwei Eisenköpfe, die keinen Schritt breit von ihrer Überzeugung weichen und deren Hader verdunkelnd auf dem Liebesglück ihrer Kinder, Bernhard und Sonnhild, ruht. Mit straffer Hand führt Gustav Hildebrand seine mannigfach verwickelte Handlung bis zum befriedigenden Schluß durch. Packend ist's geschildert, wie, jubelnd vom Volk begrüßt, die Reformation ihren Einzug in Meißen hält. Liebevoll, mit historischer Treue sind die alten schönen Sitten aufgezeichnet. Ein echter Dichter voll Poesie und Humor steht hinter diesem Buch, das den, der es zu lesen angefangen, nicht losläßt bis zum Schluß.
»Dorfzeitung«, Hildburghausen:
Der Verfasser versucht es, uns ein eingehendes Kulturbild aus jener großen und interessanten Zeit zu geben, in der sich die Reformation zu entwickeln beginnt und sich siegreich dem alten Glauben gegenüber durchsetzt. Der Ort der Handlung ist die alte Markgrafenschaft Meißen, die uns Hildebrand mit großer Liebe in allen Einzelheiten ihres damaligen Bildes schildert. Die Hauptträger der Handlung sind ein junges Liebespaar, der katholische Junker Bernhard von Miltitz und Sonnhild, des tatkräftigen Meißner Bürgermeisters Waltklinger liebreizendes Töchterlein, die, wie ihr Vater sich zum neuen Glauben bekennt. Vorzüglich hat der Verfasser es verstanden, in einer hie und da etwas altertümelnden Sprache uns den Geist und die Eigenart jener merkwürdigen Zeit zu schildern; mit plastischer Deutlichkeit treten uns die Hauptpersonen entgegen, die zum Teil als Vertreter der Hauptströmungen des politischen, religiösen und gesellschaftlichen Lebens jener Zeit aufzufassen sind. So verkörpert, um nur zwei Beispiele anzuführen, des Liebhabers Vater Ernst von Miltitz, der herzogliche Amtmann von Meißen, den Adel jener Tage, der voll stolzen Selbstgefühls sich höher dünkt, als die Bürger hinter den Mauern ihrer Stadt, während wir in der Person eben des Bürgermeisters Waltklinger einen Vertreter des aufstrebenden Bürgertums jener Zeit sehen, das, voll Stolz auf sein wirtschaftliches Vorwärtskommen, sich dem Adel ebenbürtig fühlt und diesem voll trotzigen Selbstgefühls die Spitze bietet. – Alle Stände des 16. Jahrhunderts ziehen in bunter Reihe an uns vorüber, der heimatlose Spielmann, das fahrende Kriegsvolk, die Juden u. a. m. Es ist ein Buch, das sich vorzüglich auch für unsere Jugend zur Lektüre eignet und das darum allen Volks- und Schulbibliotheken warm empfohlen sei.
Franz Mießner in »Leipziger Neueste Nachrichten«, Leipzig:
Das ist eine ganz prächtige Geschichte, ohne jeden übermodernen Klimbim, aber dafür voll von Heimatpoesie und echtem gutem Menschentum. Eine kulturgeschichtlich hochinteressante Zeit taucht auf. Deutscher Bürgerstolz im Kampfe mit stolzem Adel, und dazu das sieghafte Ein- und Vordringen von Luthers Lehre; Meißen, die alte Markgrafenstadt, gibt das spezielle Bild, und Schloß Siebeneichen mit seinen Bewohnern spielt eine besondere Hauptrolle. Eine zarte, sinnige Liebesgeschichte klingt glücklich aus und wirkt versöhnend zwischen dem bürgerlichen und adligen Milieu. Die beigegebenen Federzeichnungen von Josef Windisch sind ganz reizend und stimmen vortrefflich zu der feinen, unmittelbaren Schilderungskunst des Verfassers. Ein kerndeutsches Buch! Für die Familie eine prächtige Lektüre.
Einer reichgefüllten Schatzkammer
für alle Kunst- und Literaturfreunde gleicht
Rafael von Urbino