»Hast du heute Nachtzeichen?« fragte sie.
Heinrich war verdutzt. Wie ein Blitz durchfuhr ihn die Erinnerung an die Unterhaltung der Soldaten in seiner Stube, die das späte Heimkommen aufgaben, weil sein Vater Kasernendienst hatte. Da sah er in das erwartungsvolle Gesicht von Frau Marschall, die, wie es schien, seine Hilfe brauchte.
»Ja,« log er und legte Mütze und Seitengewehr auf den Fensterstock.
»Das paßt gut. Wir haben heute abend Gesellschaft, da kannst du den Herren immer frisches Bier hineintragen. Dort in der Ecke liegt das Fäßchen.«
Damit ging sie.
»Hier ist deine Bemme, Heinrich,« sagte Valentine und legte das bereitete Käsebrot auf den Küchentisch.
Heinrich biß herzhaft hinein. Das schmeckte besser als das Abendbrot des Vaters! Dann nahm er der Köchin den Holzlöffel aus der Hand und rührte das Mus fleißig um.
»Wer kommt denn heute?« fragte Heinrich.
»Ach, du kennst ja doch alle,« antwortete Valentine ausweichend und unter leichtem Erröten, während die Köchin mit den Kellerschlüsseln hinausging.
Nun plauderten sie miteinander. Heinrich warf ab und zu einen verstohlenen Blick zur Seite. Valentine wird wirklich immer hübscher, dachte er. Zwar war der ausgeprägte Zug um ihren Mund für ein junges Mädchen zu herb. Aber die schöne, breite Stirn und der ruhige Blick ihrer braunen Augen gefielen ihm.