Valentine war schon für die Gesellschaft angekleidet. Die einfache, blaue Wollbluse spannte sich über ihrer kräftig entwickelten Brust.
»Wie geht's Linchen?« fragte Valentine im Gespräch.
Heinrich empfand plötzlich ein Würgen in der Kehle und räusperte sich.
»Gut,« versetzte er etwas kurz, »wie immer.«
»Sie kommt doch von nächster Woche ab zwei Tage?« meinte Valentine dringlich.
Heinrich wußte nicht sogleich zu antworten. Sollte er beichten, daß ihnen der Vater heute ihr Haus verboten hatte? Und der Ingrimm stieg wieder in ihm herauf. Ach, mochte es Linchen doch selbst ausrichten. Sie würde in den nächsten Tagen sicherlich zu Frau Marschall gehen.
»Wenn du es ihr gesagt hast, wird sie schon kommen,« versetzte er unwirsch und stieß den Löffel wiederholt nachdrücklich in die Tiefen des Muses hinein.
Valentine stand auf und trat an den Herd.
»Du tust doch gerade, als ob du den Boden vom Topf stoßen müßtest,« sagte sie lachend. »So rührt man ja in ganz Dresden kein Pflaumenmus. Warum bist du denn mit einem Mal so schlecht gelaunt? Bin ich etwa schuld daran?«