Heinrich fühlte, daß er sich verraten hatte. Die letzten Worte des Mädchens aber machten ihn verlegen.
Er lächelte und rührte besänftigt weiter.
»Warum sollte ich denn schlechter Laune sein?« warf er gleichmütig hin, »was du nicht gleich denkst.«
Das Mädchen trat an ihn heran, legte den Arm auf seine Schulter und strich liebkosend über sein welliges Haar. Heinrich tat, als wenn er das nicht bemerke, aber ein unsägliches Glücksgefühl erfüllte ihn.
»An diesen langen Ohren habe ich mich immer festgehalten,« sagte Valentine und nahm seine Ohrmuschel in die Hand. »Du krochst auf den Knien in der Stube herum, und ich ritt auf deinem Rücken. Jetzt weiß ich erst, was für ein gutmütiger Junge du gewesen bist. Kein anderer hätte meine Teufeleien so willig ertragen wie du. Denkst du noch manchmal daran, Heinrich?«
Der Bursche stand regungslos über den großen Topf gebeugt, und der Rührlöffel lag untätig in seinen Händen.
»Laß das Pflaumenmus nicht anbrennen,« mahnte das Mädchen. Da erinnerte er sich seiner Pflicht und nahm hurtig die Kreisbewegungen wieder auf.
Draußen klangen leichte Schritte, und das Mädchen trat vom Herd zurück.
»Guten Abend, Fräulein Valentine,« tönte im nächsten Augenblick eine Stimme hinter ihnen.
Heinrich guckte sich neugierig um. In der Tür stand hoch aufgerichtet ein junger Offizier ohne Säbel und Mütze. Es war Leutnant Allmer von seiner Kompagnie. Da trennte Heinrich sein Schicksal von dem des Pflaumenmuses und ließ den Löffel im Stich. Er ruckte zusammen und nahm militärische Haltung an. Der Offizier blickte überrascht zuerst auf den Korporal, dann auf das Mädchen.