Nur Heinrich blieb zurück und schlug geschwind den hölzernen Bierhahn in das Fäßchen.


Als einige Stunden später die Herren das Marschallsche Haus verlassen hatten, ging auch Heinrich nach Hause. Mit raschen Schritten lief er die Schloßgasse hinab, durch das dunkle Georgentor und trat sodann auf den Schloßplatz.

Es war eine kühle Herbstnacht. Der Mond war von Wolken ganz verhüllt. Nur ein paar vereinzelte Sterne funkelten am Himmel.

Der mächtige Bau der katholischen Hofkirche lag wie ein ungeheurer Felsblock zu seiner Linken. Von ihrem Haupttor schallten die langsamen Schritte eines Nachtwächters herüber.

Die Uhr des Schloßturms verkündete gerade mit feierlichen Schlägen die Mitternachtsstunde, als Heinrich die Augustusbrücke betrat. Hier standen die Gaslaternen in großen Abständen. Ihr spärliches Licht wurde von der Dunkelheit fast aufgesogen. In der Tiefe rauschte dumpf die Elbe, deren hochgehendes Wasser sich an den mächtigen steinernen Pfeilern brach. Auf dem Strom lag undurchdringliche Finsternis. Drüben am Belvedere auf der Brühlschen Terrasse schimmerten matt ein paar Lichter.

Heinrich empfand leises Unbehagen. Wenn er nur erst in seinem Bette läge, dachte er. Er tat es ungern, Zapfen zu streichen.

Endlich stieg am Ausgang der Brücke der kolossale Würfel des Blockhauses aus der Dunkelheit herauf. Der Posten vor dem Gewehr der Neustädter Hauptwache lehnte verschlafen am Schilderhaus und sah über den Markt hinweg auf den stumm zu Pferde sitzenden August den Starken.

Heinrich ließ die Hauptstraße links liegen und schlug den Weg durch die Kasernenstraße ein, an dem langgestreckten Gebäude der Ritterakademie vorbei. Jetzt hatte er die Kaserne erreicht. Unwillkürlich verkürzte er seine Schritte. Ob Linchen schon schlief? Sicherlich nicht. Sie wachte ja die halben Nächte durch und nähte für die Herrschaften!