Da war es ihm, als wenn eine linde Hand über sein Haar striche, – Valentinens Hand. Und in seinem Ohre klang leise ihre liebe Stimme. Im Nu war der jähe Zorn des jungen Menschen verraucht, und er empfand, daß er weich wurde.

Eine Zeitlang biß Heinrich die Zähne zusammen und sträubte sich tapfer gegen die Schwäche. Zuletzt fühlte er sich aber besiegt. Er wandte den Kopf auf die Seite und weinte still bittere Tränen.


Der Zug mit dem ersten Toten vor dem Königlichen Schloß.

Drittes Kapitel

Am nächsten Vormittag exerzierten die Rekruten aller Kompagnien wie alltäglich auf dem Kasernenhof.

Unter den vielen kommandierenden Unteroffizieren befand sich auch Heinrich. Seine Visitation übte gerade langsamen Marsch. Die jungen Soldaten waren noch reichlich unbeholfen. Sie standen zaghaft auf einem Bein und wackelten wie schlafende Hühner.

»Lehrschritt vorwärts – marsch!« kommandierte Heinrich mit Löwenstimme. Da warf die im Gänsemarsch stehende Reihe die Beine in die Luft, und jeder kämpfte mit den herabhängenden Armen um das bedrohte Gleichgewicht wie ein unsicher gewordener Seiltänzer, bis die riesigen Transtiefel krachend niederschlugen. »Und – rechts! und – links! und – rechts! und – links! …«