»Halt! Los!« Nach diesem Kommando guckten sich die jungen Soldaten jedesmal verwundert um und freuten sich, den soliden Kasernenhof wieder unter beiden Füßen zu haben.
Jetzt trat Leutnant Allmer, sein Rekrutenoffizier, an ihn heran.
»Korporal Mißbach,« fragte er leise, »hatten Sie gestern Nachtzeichen?«
Heinrich fühlte einen Stich in der Brust.
»Zu Befehl, Herr Leutnant,« antwortete er, ohne sich zu besinnen.
Leutnant Allmer hatte diese Antwort erwartet. Eine Sekunde lang stand er unschlüssig; er wußte, daß der junge Korporal die Unwahrheit gesagt hatte. Dann wandte er sich ab und ließ Heinrich stehen.
Um elf Uhr war das Exerzieren zu Ende. Und weil heute Sonnabend war, fiel die übliche Gymnastik und das Gewehrfechten am Nachmittag aus. Dafür fand gründliches Revierreinigen statt.
Leutnant Allmer wartete noch so lange, bis die Visitationen eingerückt waren. Dann verließ er durch das Hauptportal die Kaserne. Die Hände in den Manteltaschen, schritt er langsam schräg über die Allee und durch das Schmiedegäßchen bis zur Königstraße. Hier betrat er das gegenüberliegende Haus und zog an dem spiegelblanken, messingnen Klingelknopf im ersten Stock.
Nachdem ihn das Mädchen eingelassen hatte, klopfte er an eine der weißlackierten Türen und trat sodann in die Stube.