Diesem angeregten Zwiegespräch folgte eine längere Pause. Dem jungen Offizier wurde es ungemütlich. Er sah vor sich nieder und spielte mit seinem Portepee. Die Augen der Tante glühten wie Kohlen. Er fühlte förmlich ihren sengenden Blick auf seinem Gesicht.

»Bist du viel ausgewesen?« fragte sie endlich scheinbar harmlos.

Leutnant Allmer rückte sich auf dem Stuhl zurecht und war entschlossen, scharf auf der Hut zu sein. Jetzt begann es. Vorläufig plänkelte sie freilich noch.

»Zweimal,« versetzte er vorsichtig. »Am Dienstag bei der Kommandeuse auf einen Löffel Suppe und gestern beim – Advokaten Marschall.«

Tante Sidoniens Rücken hatte sich während der letzten Worte heimlich von der Sofalehne losgelöst. Jetzt saß sie steif wie eine Wachsfigur. Nur die Finger, die wie Tanzpuppen durcheinanderflogen, bewegten sich an ihr. Das Häkchen der Nadel schoß von Zeit zu Zeit blitzschnell vor, faßte mit seinem scharfen Zahn den immer ängstlicher werdenden Faden, sprang alsdann wieder zurück und führte ihn mit so ungewöhnlicher Geschwindigkeit durch ein Labyrinth von Schleifen und Maschen, daß ihm hätte schwindelig werden dürfen. Dem wie gebannt zuschauenden Neffen gingen die Augen davon über.

»Beim – Advokaten – Marschall?« wiederholte sie mit Geisterstimme.

Leutnant Allmer nickte.

»Bei Marschall,« wiederholte er wie ein Echo.

Das dumpfe Ticktack des langen Perpendikels der alten Schwarzwälder Uhr klang in das Schweigen hinein. Der junge Mann strich sich über die Stirn und schloß eine Sekunde lang die Augen. Da war es ihm, als wenn er nächtlicherweile einsam im Bankettsaal einer alten Burg säße und die schlurfenden Schritte von unsichtbaren Gestalten vernähme.

Aus dieser Beklemmung befreite ihn Tante Sidoniens vorwurfsvolle Stimme.