Das Mädchen hatte inzwischen ihre Befangenheit bekämpft und lud ihn zum Sitzen ein.

»Wie ist dir's ergangen, Kurt?« fragte sie, ohne auf seine Worte einzugehen.

»Gut, liebe Ursula. Und dir?«

»Danke, mir auch. Großvater ist immer kränklich gewesen und bedurfte sorgsamer Pflege. Nun wo der Winter kommt, zwickt ihn auch sein altes Podagra wieder in den Füßen. Du weißt ja …«

Kurt nickte bedauernd.

»Ich habe ihm einen dicken, wollenen Fußsack gestrickt, den er bis über die Knie heraufziehen kann. Damit sitzt er tagsüber viel im Lehnstuhl und liest eifrig die Zeitungen. Du kennst seine Vorliebe für Politik. So gutmütig er sonst ist, wird er beim Lesen zuweilen doch recht unmutig und schilt auf alle, die die Unzufriedenheit im Lande schüren.«

Kurt sah zur Seite. Dem Gespräch rasch eine andere Wendung gebend, versetzte er:

»Denk' mal, liebe Ursula, vor einigen Tagen sagte mir der Oberst, er beabsichtige, mich im kommenden Jahr zum Adjutanten zu machen.«

Das Mädchen sah in freudiger Bewegung auf.

»Ach, wie freue ich mich über diese Nachricht,« antwortete sie mit strahlenden Augen. »Viel Glück dazu, Kurt,« und hielt ihm ihre schöne, weiße Hand hin.