Kein Wunder, wenn in dieser erregten Zeit, wo die politischen Wogen immer höher schlugen, die Gesinnung auch äußerlich zum Ausdruck gebracht wurde. Ob die Zylinderhüte glatt gebügelt und spiegelblank oder glanzlos und drahthaarig waren wie das Fell einer nassen Katze, der man mit der Hand vom Schwanz bis zu den Ohren über den Rücken streicht, gleichviel, – die Angströhre galt gemeiniglich als das Zeichen konservativer Gesinnung. Anders war es dagegen mit dem großen, schlappen Filz, dem sogenannten Karbonarihut. Wer diesen trug, galt als verdächtig.

Die Damen stolzierten in hundertfach gefältelten Röcken einher, die die Krinoline derart aufbauschte, daß der krampfhaft zusammengeschnürte Oberkörper daraus hervorstieg wie ein Lilienstengel aus der Tonne. Der Busen war durch raffinierte Hilfsmittel bis zum Kinn in die Höhe gezwängt, und der Saum des Rockes betrug fünfzehn Ellen. Andere Kleider besaßen zwanzig oder mehr Volants, die von den Hüften aus dachziegelartig überhingen und kunstvoll geglöckelt, ausgezackt oder plissiert waren. Ein solches Kleid erweckte den Anschein, als ob eine Anzahl von Tüten ineinander gesteckt sei. Unter dem käfigartigen Gehäuse der Krinoline, deren weiter Umfang das Führen mancher Dame schlechthin unmöglich machte, wurde reichlich ein Dutzend Unterkleider getragen.

Das Haar war in der Mitte glatt gescheitelt, und die Zöpfe bedeckten Ohren und Nacken. Die Hüte hatten schmale Krempen. Am meisten wurden aber kokette Hauben mit dicken Rüschen getragen, deren bunte Bänder unter dem Kinn zu einer Schleife geknüpft waren. Dieser Kopfschmuck war bei kluger Wahl vortrefflich geeignet, den störenden Anblick manches häßlichen Antlitzes um ein Erhebliches zu mildern. Das starke Geschlecht sieht über solche unschuldige Mittelchen der Frauenlist großmütig hinweg. Kleinliche Männer gibt es nun einmal nicht … Besitzen doch nicht selten gerade die mißlungenen Bilder kostbare Rahmen.

Bei den Männern diente auch die Tragart des Bartes als Unterscheidungsmerkmal der politischen Gesinnung. Ein Schnurrbart galt noch als verläßlich; zierlich gestutzt, erhöhte er die Aufmerksamkeit, die man seinem Besitzer schenkte. Denn diese Form ließ auf Geist und Lebensart schließen. Wer aber gar glatt rasiert und mit langen, schmalen Koteletten erschien, gehörte sicherlich zu den geistig Auserlesenen und konnte einer erheblich über das Tagesmaß hinabgehenden Beachtung sicher sein.

Bedenklicher stand es mit den Männern in Vollbärten! Das ausrasierte Kinn, anfänglich Merkmal alter, verabschiedeter Offiziere, entschuldigte zur Not noch. Aber der Vollbart schlechthin galt als unsäglicher Verächter aller bestehenden Staatseinrichtungen. Vollbart – Demokratenbart. Puh!

Auch sehr hundefreundlich war diese Zeit. Wer einen solchen Hausgenossen besaß, hegte ihn wie ein Kind. Natürlich führten die Spaziergänger auf der Herkulesallee ihre vierbeinigen Freunde bei sich.

Der langsam dahinwandelnde, alles Begegnende mit Blicken unsäglicher Verachtung streifende Bernhardiner verriet die hervorragende gesellschaftliche Stellung seines Besitzers. Ebenso hohes Ansehen verschafften hochbeinige, gelbe Windspiele. Spitze bezeugten Königstreue. Der friedliche Bürger hielt es mit dem Affenpinscher. Alte Fräuleins bevorzugten weiße Pudel mit langem Behang oder Malteserhündchen. Wer eine Dogge führte, mußte ein forscher Kerl sein; Besitzer von Bullenbeißern gehörten aber sicherlich der Opposition an. Und aus der Hefe des Volks kam zweifellos jeder, wer einen Hund um sich hatte, der augenscheinlich von mehr als einem Vater stammte, – Promenadenmischung!