Kurt nickte zustimmend. Bürzelchen war der wie ein Kind auf ihrem Arm ruhende, sehr häßliche Zwergmops mit doppelt gespaltener Nase und Friedchens unzertrennlicher Begleiter.
»Kommen Sie doch in die gute Stube zu uns jungen Leuten,« sagte das fünfzigjährige Mädchen. »Wir spielen Blindekuh und Kämmerchenvermieten. Ach, wie reizend wäre es, wenn Sie sich einmal auf den Mokierstuhl setzten!«
Kurt mußte lächeln und wollte irgend etwas Nichtssagendes erwidern. Aber Friedchen kam ihm zuvor. Das war überhaupt ihre Stärke, daß sie sich stundenlang mit jemand unterhalten konnte, ohne daß der andere einmal zum Wort kam.
»Nein, Herr Leutnant,« rief sie begeistert, »was ich jetzt lese! Dieser göttliche Fouqué! Seine Romane übertreffen an Natürlichkeit selbst das Leben. O Gott, wie entzückend er doch schreibt! Wie ästhetisch, nein, wie gefühlvoll!«
Dazu warf sie einen schmachtenden Blick zur Decke und drückte den Mops fest an sich. Kurt mußte sich das Lachen verbeißen.
»Gestern habe ich mir wieder vier seiner Bücher aus der Leihbibliothek geholt,« fuhr sie fort, »und die letzte Nacht durchgewacht und im Bett gelesen. Gerade als die Kerze niedergebrannt war, hatten sie sich. Nein, wie wundervoll!«
Da trat Valentine heran.
»Tante,« sagte sie, »du sollst jetzt Blindekuh sein, alle wünschen es.«
Damit drängte sie das dicke Fräulein mit dem schläfrig dreinblickenden Mops sanft fort.