Da erwachte Valentine wie aus einem Traum. Sie fühlte, daß sie nahe daran gewesen war, ihre Umgebung und sich selbst zu vergessen. Sanft entzog sie dem jungen Mann ihre Hand, richtete sich hoch auf und sprach in ihrer kühlen Weise:

»Wir wollen zu den Herren gehen, Herr Leutnant. Dort werden Sie besser aufgehoben sein, als bei den Spielenden.«

Dieser Ton rief Kurt wieder zu sich. Valentine bemerkte, wie er errötete, und blickte zur Seite.

»Kommen Sie, Herr Leutnant,« sagte sie noch einmal.

Da ging er an ihrer Seite aus der Stube, und sie führte ihn in das Herrenzimmer.

Hier war der lange Tisch voll besetzt, und die angeregte Unterhaltung drehte sich wie immer um die Politik. Die Luft war mit Rauch angefüllt, daß alle Anwesenden wie in Nebel getaucht erschienen.

Kurt setzte sich auf den Stuhl, der für ihn herangeschoben wurde, und hörte schweigend auf das Gespräch. Valentine hatte sich neben ihn gesetzt.

»Befehlen der Herr Leutnant?« hörte er neben sich eine leise Stimme. Und wie er aufsah, stand der Korporal Mißbach mit einem gefüllten Bierglas da und stellte es vor ihn auf den Tisch.

Immer wieder dieser Mißbach, dachte Kurt. Es war ihm immer unangenehm gewesen, wenn er den Korporal bei Marschalls gesehen hatte. Er kannte zwar Mißbachs Verhältnis zum Hause und schätzte ihn wegen seiner Brauchbarkeit im Dienst. Aber das wiederholte Zusammentreffen mit dem Korporal in der Marschallschen Familie bereitete ihm Unbehagen. Dieses Gefühl hatte er gleich am ersten Abend gespürt, als er hörte, wie Valentine den Korporal duzte.

Valentine richtete leise eine Frage an Mißbach. Kurt sah, wie sich dieser täppisch-vertraulich zu dem Mädchen niederbeugte und ebenso leise erwiderte: