»Deine Mutter ist bei den Damen in der hintern Stube.«
Darauf nickte Valentine befriedigt, und der Korporal entfernte sich, mit seinen großen, knarrenden Stiefeln so vorsichtig auftretend, wie er es vermochte.
Mißbach nennt das Fräulein ebenfalls Du? dachte Kurt. Da empfand er einen bitteren Geschmack auf der Zunge und sah geflissentlich an Valentine vorbei nach dem Sprechenden hin.
»Ich will ja zugeben,« rief Musikdirektor Röckel, »daß das Märzministerium einen schweren Stand hatte. Aber Pforten und Oberländer hätten die Sache nicht so schnell hinwerfen dürfen. Das waren doch Kerle! Und was haben wir an ihrer Statt bekommen? Dieser Beust! Den hätten sie auf seinem Gesandtenposten in London ruhig lassen sollen. Und Rabenhorst? – Rabenhorst ist ein Vertreter der schärfsten Reaktion und hält immer die Hand erhoben, mit der er die Bajonette, wenn's gilt, heranwinken wird.«
Kurt empfand bei diesen Worten Unbehagen. Der Angegriffene war seit kurzem Kriegsminister.
»Gemach,« versetzte Hofbaumeister Semper, »es muß am Ende doch gehen, wie das Volk will. Um seinetwillen ist die Regierung da, nicht umgekehrt.«
»So ist es richtig,« warf Advokat Minkwitz ein. »Wenn's anders wär', wozu hätten wir dann die konstitutionelle Verfassung?«
»Was fragen die Regierenden lange nach den verfassungsmäßigen Rechten des Volks,« rief Röckel mit heiserer Stimme und lachte spöttisch dazu. »Die Fäden der Politik sind durcheinander geworfen, sage ich, und dieser Knoten läßt sich nicht wieder auffitzen. Wir müssen ihn eben zerhauen!« Dazu schlug er mit der Faust auf den Tisch.
Von mehreren Seiten wurde diesen Worten zugestimmt.
»Nicht unüberlegt handeln, Freunde,« sagte der Hausherr mit Mäßigung. Denn Advokat Marschall, das wußte Kurt, war ein Feind jedes ungesetzlichen Mittels, die Forderungen der Demokratie durchzusetzen.