»Zwingen, sagt Röckel,« versetzte er, das aufgegriffene Wort bedeutungsvoll wiederholend, »und womit wollen wir die Minister zwingen, wenn alle Petitionen und mündlichen Vorstellungen umsonst sind?«

»Mit den äußersten Mitteln!« schrie der Musikdirektor.

Semper war noch immer nicht zufrieden. Das Wort, auf das es ankam, das einzige Wort, das auszusprechen sich jeder scheute, obwohl es allen auf der Zunge lag, dieses Wort mußte fallen. Auf den Straßen hörte man es schon. Aber in diesem Kreis von Männern, die Ansehen besaßen, und deren Ehrenhaftigkeit niemand anzuzweifeln wagte, unter ihnen mußte es gesagt werden. Dann erst würde den Machthabern der Ernst der Stunde aufgehen.

»Und was wäre dieses Mittel?« fragte Semper beharrlich.

Lautlose Stille herrschte. Wenn man hier die letzte Zuflucht besprach, die dem Volke blieb, – das empfand jeder der Anwesenden –, dann würde sich die Kunde davon rasch verbreiten, und die Regierenden würden sagen: Die Bürger Dresdens machen Gemeinschaft mit den Demokraten aus der Hefe der Gesellschaft.

Noch wartete der Hofbaumeister auf die Antwort, als vom unteren Ende des Tisches eine Frauenstimme klar und ruhig in das Schweigen hineintönte:

»Das Schwert!«

Da war das Wort gefallen, das die Männer auszusprechen sich gescheut hatten! Aus dem Munde eines Mädchens war es gekommen. Der Bann war gebrochen. Alle fuhren auf und sahen nach der Tür. Dort stand bleich und mit weit geöffneten Augen Valentine Marschall. Nur die zitternden Nasenflügel verrieten die hohe Erregung, die das ruhig erscheinende Mädchen erfüllte.

»Valentine! Kind!« rief Advokat Marschall. Aber seine Stimme ging in dem Lärm unter, der jetzt anhob. Von allen Seiten wurde laut zugestimmt, und das Wort wurde immer von neuem wiederholt. Ein paar Heißsporne sprangen auf und riefen stürmisch durcheinander. Selbst die Gemäßigten hielten nicht mehr zurück, sondern bezeichneten die Lage als ernst genug, daß man vor keinem Mittel zurückschrecken dürfe, das zur Erfüllung des Volkswillens diene.

Den letzten Teil der Unterhaltung hatte auch Frau Marschall mit angehört, die unbemerkt in die offene Tür getreten war. Sie war eine Frau mit nüchternem Verstand und ließ sich von aufwallenden Gefühlen nicht so leicht fortreißen. Als sich der Lärm gelegt hatte, sagte sie in trockenem Tone: