»Kinder, gebärdet euch nicht so wild. Wartet erst einmal ab, ob der preußische König überhaupt Kaiser werden will.«

Diese Worte dämpften die Erregung augenblicklich. Es lag Klugheit darin. Natürlich mußte sich Friedrich Wilhelm erst entscheiden. Vorderhand war der Zeitpunkt noch nicht gekommen, das Äußerste anzuwenden.

»Aber es muß Klarheit darüber bestehen, was wir zu tun haben, wenn uns nur noch die letzte Notwendigkeit bleibt,« rief Röckel hitzig, dem es nicht gefiel, daß sich die Erregung so rasch gelegt hatte.

Das Gespräch wurde nun in ruhigerem Ton geführt, wenn auch der tiefe Eindruck nicht verflüchtete, den die erregte Szene auf alle gemacht hatte.

Auch Advokat Marschall stand unter dieser Wirkung.

»Wir wissen jetzt,« sagte er, »was unsere Pflicht ist, wenn alle gesetzmäßigen Mittel fruchtlos sind. Erreichen müssen wir unser Ziel! Warten wir ab, welchen Weg uns die Regierung weist.«

Am tiefsten hatte die spannende Unterhaltung vielleicht auf Kurt gewirkt. Er hatte den klaren Eindruck gewonnen, daß in diesem Kreise die Würfel gefallen waren. Wohl gab es unter den Anwesenden Hitzköpfe, die zu Unüberlegtheiten neigten. Aber die meisten kannte er als ruhige und gewissenhafte Männer. Das hatte Bedeutung, wenn sich Bürger, wie die hier versammelten, für die Anwendung von Gewalt erklärten. Dann mußte die Not des Volkes wirklich aufs Höchste gestiegen sein!

Auch daran dachte Kurt, daß die Erregung in beiden Kammern des Landtags von Tag zu Tag wuchs.

Die Verhandlungen blieben stecken, trotz manchen vortrefflichen Wortes, das dort gesprochen wurde.