Da näherte er sich endlich dem rechten Flügel des Glieder und der Sergeant meldete:
»Als Wachthabender! Parole Leipzig. Auf Wache und Posten nichts Neues!«
Als das Wort Leipzig fiel, blitzte es in den Augen des Revidierenden auf, und er rieb die Zähne aufeinander, daß die langen Spitzen des starken Schnurrbarts zuckten. Dann ging er mit langsamen Schritten die Wache ab, jeden Mann mit durchdringendem Blick auf Haltung und Anzug musternd.
Den regungslos stehenden Soldaten wurde während dieser wenigen Sekunden schwül, und jeder riß sich zusammen. Denn Feldwebel Mißbach, der in der Reihe der Subalternoffiziere Kasernendienst tat, genoß im ganzen Regiment ein Ansehen, das schon an Furcht grenzte.
Jetzt ging er hinter der Wache entlang. Jeder Mann reckte sich unmerklich noch höher auf, und die Nacken preßten sich an Halsbinde und Waffenrockkragen. Plötzlich blieb er stehen, fuhr einem Soldaten mit der Hand unter den Tschako und schnarrte nur das eine Wort:
»Haarschnitt!«
Der Gemeinte zuckte vor Schreck leise zusammen. Diese verstohlene Bewegung war dem scharfen Auge des Feldwebels nicht entgangen.
»Stillstehen!« herrschte er den vor Aufregung Zitternden an. »Der Kerl springt im Gliede 'rum wie'n Sack voll Flöhe.«
Der Soldat stand wie eine Bildsäule und wagte nicht Atem zu holen. Erst als er gewahr wurde, daß auf die Zurechtweisung nichts folgte und der Revidierende weiterging, beruhigte er sich langsam.
»Die Wache ist gut aufgestellt,« sagte Feldwebel Mißbach außergewöhnlich wohlgelaunt zum Wachthabenden. »Tragen Sie ins Journal ein: Revision fünf Uhr fünfundfünfzig.«