»Schultert – Gwehr! – – – Beim Fuß – Gwehr! – – – Trett – ab!«
Damit ging die Wachtmannschaft auseinander, froh, daß die Revision so gut abgelaufen war. »Der liebe Gott« – wie Feldwebel Mißbach im Regiment allgemein genannt wurde – hatte heute seinen guten Tag.
Unterdessen war der Korporal Heinrich Mißbach durch eine lange Flucht matterhellter Korridore und über einige Treppen gegangen, bis er das Revier der 3. Kompagnie erreicht hatte. Hier öffnete er die erste Tür, schlug den dunkeln Wollvorhang dahinter zurück und betrat die väterliche Wohnung. Am Fenster saß eine weibliche Gestalt, die beim Schein einer dicken Stearinkerze nähte.
»Guten Abend, Linchen!«
Das Mädchen ließ die Arbeit sinken und sah auf. Als sie den Bruder erkannte, huschte wie ein Sonnenstrahl ein mattes Lächeln über ihr bleiches und eingefallenes Gesicht.
»Guten Abend, Heinrich!« erwiderte sie. Und ihre großen Augen blieben an der Gestalt des Eingetretenen hängen.
Heinrich Mißbach ging zu dem gelben Kachelofen, legte die Hände auf den Rücken und lehnte sich stumm daran.
»Soll ich dir eine Tasse Kaffee einschenken?« fragte das Mädchen mit herzlicher Bereitwilligkeit, »er ist gerade noch warm.«
Mit diesen Worten war sie zum Tellerbrett gegangen, hatte eine mit bunten Blümchen bemalte Steinguttasse herabgenommen und wollte gerade die eiserne Ofenröhre aufmachen, als der Bruder sagte:
»Ich habe schon in der Menage Kaffee getrunken. Laß es sein, Linchen. Der Vater schickt mich; ich soll mit euch Abendbrot essen.«