»Sei überzeugt, Karl, daß ich wachsam bleiben werde. Du kennst mich doch! Der schlimme Zwist hat seinen Höhepunkt erreicht. Schon die nächsten Tage müssen eine friedliche Lösung bringen. Denke doch nur daran, was für vortreffliche Männer an der Spitze der Bewegung stehen. Aber bis zu dieser Stunde liegt wirklich nicht der geringste Grund vor, dieses gesellige Haus zu meiden.«

Mit diesen Worten bot er Schönberg die Hand.

»Davon bin ich nun überzeugt, lieber Kurt,« erwiderte dieser und schlug lebhaft ein. Mit dieser Aussprache war die alte Freundschaft wieder besiegelt, und die Freunde sagten sich gute Nacht.

Schon ein paar Schritte entfernt, rief der Oberleutnant noch einmal zurück:

»Du, Kurt, heute habe ich im Vorübergehen Fräulein von Abendroth auf ein paar Worte über den Gartenzaun gesprochen. Sie sah recht blaß aus, der alte Kriegsrat scheint ihr viel Sorge zu machen. Übrigens erkundigte sie sich auch, wie dir's gehe und läßt dich grüßen.«

»Danke, danke,« versetzte Kurt und biß sich auf die Lippe, daß sie heftig schmerzte. Und als er auf seinen Finger sah, mit dem er die schmerzende Stelle unwillkürlich berührt hatte, hing ein dicker Blutstropfen daran.

Kurt hatte in dem Augenblick, wo Schönberg ihm Ursulas Grüße bestellte, daran gedacht, wie er vor wenigen Stunden Valentinens Hand gepreßt hatte.


Sechstes Kapitel

Während der nächsten Tage befand sich das ganze sächsische Volk, allen voran die Einwohnerschaft Dresdens, in einem Taumel. Die Erregung wuchs ungeheuer, und die Ereignisse drängten zur Entscheidung.