Kurt verneinte. Valentine kenne seine Anteilnahme an den politischen Zuständen, fügte er hinzu, aber die Tagesereignisse verfolge er nicht. Dazu sei er dienstlich zu sehr in Anspruch genommen.
»Nun also, dann hören Sie: Präsident Joseph hat heute die von der Regierung vorgelegte Steuerbewilligung von der Tagesordnung abgesetzt.«
»Und was bedeutet das?« fragte Kurt, der den Sinn dieses Vorgangs nicht recht begriff.
»Ach, Sie Weltfremder,« lachte Valentine. »Sagen Sie niemandem, daß Sie mein Schüler gewesen sind. Was dies bedeutet? Der Landtag verweigert der Regierung den Kredit! Und zu alledem sind die Sitzungen am Montag zu Ende.«
»Also ist die Regierung nunmehr ohne gesetzmäßige Mittel? Der Landtag hat ihr den Konflikt angesagt?«
»So ist es,« antwortete Valentine, »und wissen Sie, wie der famose Herr von Beust diesen Schlag erwidert? In der heutigen Abendausgabe des ›Journals‹ hat er die Auflösung des Landtags bekannt gegeben.«
»O,« entfuhr es Kurt, »das wird wieder böses Blut machen.«
»Dieser Schritt ist eine unglaubliche Unklugheit,« fuhr Valentine erregt fort. »Wie mein Vater sagte, wird der Landtag darauf bestehen, daß die Auflösung nach dem Wortlaut der Geschäftsordnung in den Kammern selbst und durch ein Königliches Dekret ausgesprochen wird. Die Regierung soll nur fortfahren, solche Fehler zu machen. Damit reizt sie das Volk bloß auf und treibt es zur Katastrophe.«
Kurt schwieg. Valentine hatte recht; durch solche Unklugheiten gab die Regierung ihre Autorität preis.
»Und nun noch eine Neuigkeit: gestern hat der König von Preußen die Kaiserkrone bestimmt abgelehnt.«