Valentinens hohe Gestalt überlief ein Zittern. Langsam strich sie mit der Hand über die Augen und trat einen Schritt zurück.
In diesem Augenblick bemerkte Kurt, wie hinter ihm eine Dame rasch vorüberschritt, die auf der schlechtbeleuchteten, menschenleeren Straße unbemerkt herangekommen war. Kurt fühlte plötzlich den Drang, sich nach ihr umzusehen. Die lange Gestalt, die eckigen Schultern, – war ihm die in der Dunkelheit schon wieder Verschwundene nicht bekannt? Aber schon hatte er die Unterbrechung wieder vergessen.
Er vernahm Valentinens Stimme, die bewegt sagte:
»Ich danke Ihnen, lieber Freund, für Ihre Worte.«
Dann reichte sie ihm die Hand und fügte in ihrem gewöhnlichen Tone hinzu:
»Nun gute Nacht; man wird mich schon erwarten!«
»Gute Nacht, Fräulein Valentine,« gab er zurück. Damit trennten sie sich.
Kurt ging die Antonstraße langsam zurück. Zu einem Besuch bei Tante Sidonie verspürte er kein Verlangen mehr. Seine Gedanken beschäftigten ihn viel zu sehr.
Als er den Bautzner Platz betrat, fiel ihm eine Menschenansammlung auf. Die Leute standen in Gruppen zusammen und sprachen erregt miteinander. Aber er ging achtlos an ihnen vorüber.