Am Eingang der Hauptstraße, kurz vor der Kaserne, hielt wieder eine zusammengedrängte Menge.
Inmitten des Haufens stand auf einem umgestürzten Schubkarren ein sorgfältig gekleideter Mann, der mit lebhaften Worten auf die Umstehenden einsprach.
Als Kurt vorbeikam, hörte er die Worte: »… der König von Württemberg ist erschossen, der König von Hannover ist tot. Berlin befindet sich in vollem Aufstand. Neunhundert Mann Truppen sind von Böhmen her in Freiberg eingerückt, um der sächsischen Regierung zu helfen …«
Da schrie der Haufe wüst auf, und die weiteren Worte des Redners gingen in dem Tumult unter.
Kurt erschrak. Wenn das wahr wäre! Noch quälte ihn dieser Gedanke, als sein Blick auf die friedlich liegende Allee fiel und auf die Kaserne, aus deren Fenstern das Pfeifen und Singen der Soldaten herausschallte. Das beruhigte ihn, und er mußte über seine Besorgnis lächeln.
Heute war Sonnabend. Irgendein Harmloser hatte nach der Arbeit reichlich über den Durst getrunken, und nun spukte es in seinem Hirn. Die Tagesereignisse boten einer lebhaften Einbildung ja genug Stoff, um ungewöhnliche Vorgänge maßlos zu übertreiben.
Mit schnellen Schritten ging er weiter, bis er das Kasernentor erreicht hatte. Da hörte er, wie eine Stubenmannschaft in den stillen Abend hineinsang:
Eine Kugel kam geflogen,
Gilt sie mir oder gilt sie dir – –
Dieses schwermütige Lied stimmte ihn wieder ernst.