Der große Kaffeegarten des »Lämmchens« an der Blasewitzer Landstraße war an dem sonnigen Aprilsonntag von Besuchern überfüllt. Auch Feldwebel Mißbach war mit Linchen und Heinrich hier eingekehrt. Sie hatten sich am Hospitalgarten über die Elbe rudern lassen und waren dann quer über die großen Wiesen gegangen.
Die Unterhaltung im Garten galt der gestern erfolgten Landtagsauflösung. Das sei ein Trompetenstoß, der über das ganze Land hinweg vernommen würde.
Von diesem Thema kam keiner los. Und wenn ein Beherzter, um das Gespräch zu wechseln, von den neuen Rüböllampen anfing, oder wenn einer behauptete, die Pieschner Bauern täten jetzt zu wenig Kümmel in ihren echten Altenburger Ziegenkäse, so landete er mit seinem Redekähnchen nach fruchtlosem Plätschern beim dritten Satze doch wieder im Hafen der Politik.
Selbst Feldwebel Mißbach redete von Politik. Und das wollte etwas heißen!
»Kinder, wie gut ist es bloß,« sagte er, »daß ihr nicht mehr zu Marschalls geht! Der Advokat gilt heute als einer der gefährlichsten Demokratenführer.«
Linchen antwortete nicht, und auch Heinrich blieb stumm. Er wurde bis über die Ohren rot und guckte aufmerksam in sein Bierglas.
»Sie sollen es nur nicht zu bunt treiben,« fuhr Mißbach übelgelaunt fort, »sonst mischt sich die Polizei noch ganz ordentlich hinein und setzt die Ärgsten hinter Schloß und Riegel.«
Heinrich räusperte sich.
»Es gibt schon beinahe niemand mehr,« sagte er vorsichtig, »der nicht der Bewegung angehörte. Ob die Leute nicht doch vielleicht ein bißchen recht haben?«
»Ob sie recht haben oder nicht,« erklärte Mißbach barsch, »ist ganz egal. Darauf kommt's hier nicht an. Sie wollen anders als das Ministerium. Und das darf in einem geordneten Staat nicht sein. Die Welt ist immer regiert worden und hat bis heute bestanden. Sie wird auch in Zukunft bestehen.«