»Sei nicht böse, Linchen,« versetzte er mit leise durchklingender Herzlichkeit. »Du weißt ja …«
Die Schwester seufzte tief.
»Ja, ich weiß,« sagte sie mit unsäglicher Bitterkeit.
»Wenn ich dich bloß aus diesem Kerker befreien könnte!« fuhr der junge Korporal auf, seine natürliche Gelassenheit vergessend. Dazu sah er sich in dem weißgetünchten, mit nüchternem Kasernengerät dürftig ausgestatteten Raum zornig um.
»Heinrich,« flehte das Mädchen, »hier wurden wir ja geboren, und auch unsere Mutter hat hier gelebt.«
Diese Worte schlugen den aufwallenden Zorn des Bruders nieder.
»Bist du gestern bei Marschalls gewesen?« fragte er begütigend.
»Ich war drüben,« antwortete sie. »Und ich soll während des ganzen Winters in jeder Woche auf zwei Tage kommen. Valentinens Ausstattung wird genäht.«
Heinrich sah schweigend vor sich nieder.
»Wenn wir diese guten Leute nicht hätten, Linchen,« versetzte er endlich.