Kurt öffnete leise. An dem alten Tafelklavier saß Valentine. Sie war bleich, und auf ihren herben Zügen lag ein ungewohnter Schimmer von Mädchenhaftigkeit, der den auf der Schwelle Stehenden betroffen machte. Eine kurze Weile betrachtete er sie. Da bemerkte ihn Valentine und schreckte zusammen. Ihre schöne Altstimme brach ab, und nun kam das Mädchen auf ihn zu.
»Ich hatte Sie nicht gleich erkannt, Herr Leutnant,« versetzte sie, »weil ich Sie nur immer in Uniform gesehen habe.«
Kurt bemerkte, daß Valentine weich gestimmt und nicht so sicher war wie sonst.
»Es täte mir sehr leid,« fuhr sie fort, ihn mit einer Handbewegung zum Sitzen einladend, »wenn Sie durch diesen Besuch in eine unangenehme Lage gerieten. Auf den Gassen ist es nicht geheuer.« Dabei sah sie verständnisvoll auf Kurts hellgrauen Zivilanzug. »Aber ich habe Sie doch um diese Unterredung bitten müssen.«
Kurt machte eine Bewegung, als ob er den Sinn ihrer Worte nicht verstanden hätte.
»Heinrich Mißbach wird Ihnen überbracht haben …«
Kurt verneinte. Mißbach hätte ihm nichts mitgeteilt.
»Dann hat er's vergessen. Gewiß vor Bestürzung, weil Anna ihm gleichzeitig von der Erkrankung meiner Mutter erzählt hat. Das wird den guten Jungen erschreckt haben.«
»Ihre Frau Mutter ist erkrankt?« fragte Kurt teilnahmvoll.