Valentine hörte die Wärme aus seiner Stimme heraus.
»Leider – ganz plötzlich. Professor Richter weiß noch nicht, was ihr fehlt. Sie hat hohes Fieber. Vielleicht wird es Lungenentzündung. Jetzt ist Anna einstweilen bei ihr.«
»Die Vorsaaltür stand offen,« sagte Kurt, um sein unerwartete Erscheinen zu erklären.
Valentine hörte diese Worte nicht. Sie sann eine Weile nach. Endlich begann sie stockend:
»Ich mußte Sie noch heute sprechen, Herr Leutnant, weil ich Sie bitten wollte, Ihre Besuche bei uns aufzugeben. Die Entwicklung der politischen Vorgänge hat sich von gestern zu heute in einer so schroffen Weise vollzogen, daß Sie es mit Ihrer Stellung nicht würden vereinbaren können, wenn Sie uns die Freundschaft weiter schenken wollten, die uns bisher verband. Ich weiß nicht, ob Ihnen schon bekannt ist, welch entscheidende Wendung der heutige Tag gebracht hat?«
Kurt bestätigte, daß er es wisse.
»Dann wäre es freilich nicht nötig gewesen, Sie noch einmal zu bemühen … Aber« – das Mädchen atmete tief auf – »ich wünschte auch, mich … persönlich von Ihnen …«
Kurt sah stumm vor sich nieder. Eine tiefe Pause entstand. Endlich sagte er:
»Ich bin heute aus freien Stücken hierhergekommen, Fräulein Valentine. Ich wollte Ihrem Herrn Vater erklären, daß meine Pflicht als Offizier und – ich möchte das besonders betonen – meine persönlichen politischen Anschauungen mich zwingen, das Haus zu meiden, in dem ich so manche frohe Stunde verlebt habe.«
»Ich ahnte es, als Sie eintraten,« sagte Valentine leise.