Beide schwiegen.
Kurt erkannte noch einmal Valentinens Edelmut. Sie war ein hochherziges Mädchen! Daß sie jetzt seine politische Gegnerin war und eine tiefe Kluft ihn für alle Zukunft von ihr trennen würde, konnte seine Hochachtung vor ihr nicht verringern.
»Mein Vater ist leider nicht zu Hause,« unterbrach Valentine das Schweigen. »Der Sicherheitsausschuß tagt auf dem Rathause …«
»Bitte teilen Sie Ihrem Herrn Vater mit, daß ich hier war,« antwortete Kurt.
Valentine neigte zustimmend den Kopf. Dann erhoben sich beide fast gleichzeitig und standen eine kurze Weile stumm einander gegenüber.
»Ihrer Frau Mutter meine besten Wünsche,« sagte Kurt in gedämpftem Ton.
»Ich danke Ihnen, Herr Leutnant,« erwiderte sie noch leiser.
»Und Ihnen, Valentine …« Er stockte. »Sie brachten mir Ihre Freundschaft entgegen,« – hier sah er, wie das Mädchen in tiefer Bewegung erschauerte – »ich bot Ihnen die meinige …«
Kurt kämpfte schwer. Endlich fuhr er mit halblauter Stimme fort:
»Lassen Sie mich in dieser Abschiedsstunde frei bekennen, Valentine, daß es eine Zeit gab, zu der es mehr war als Freundschaft, was ich für Sie empfand. Es kann Ihnen nicht verborgen geblieben sein. Aber ich bin nahe daran gewesen, bitteres Unrecht zu tun, – mein Herz war nicht mehr frei. Ich stand im Begriff, einem guten Menschen unaussprechlichen Kummer zu bereiten. Sie wiesen mein leises Werben sanft zurück. Sicherlich vermochten Sie meine Empfindungen nicht zu teilen, – ich weiß es nicht. Ihre Zurückhaltung war mein Heil, sie hat mich vor schwerer Schuld bewahrt. Dafür werde ich Ihnen immer dankbar sein!«