Valentine hatte dieses Bekenntnis mit abgewandtem Gesicht angehört. Sie unterdrückte ihre schweren Atemzüge, aber ihre Schultern zuckten leise. Plötzlich griff sie in die Tasche ihres Kleides und reichte ihm stumm einen verschlossenen Brief ohne Aufschrift. Kurt nahm den Brief und steckte ihn achtlos ein.
»Leben Sie wohl, Valentine,« sagte er.
Sie hielt ihm die Hand hin.
»Werden Sie glücklich, Kurt!«
Er ergriff ihre Hand und hielt sie eine Sekunde lang umschlungen.
Dann wandte er sich ab und verließ die Stube, ohne noch einmal den Blick zurückzuwenden. –
Als sich Kurt der Schloßgasse wieder näherte, empfing ihn brausender Lärm. An der Barrikade bei Stadt Gotha wurde noch immer fieberhaft gearbeitet, und eine tobende Menge wogte auf und ab. Einige der Männer waren mit Gewehren und Säbeln bewaffnet.
Kurt war noch zu tief bewegt, daß er die drohende Haltung des aufgeregten Volkshaufens und die Schmährufe auf den König beachtet hätte. So rasch es ihm gelang, eilte er die Schloßgasse hinunter. Die Brücke war fast menschenleer. Den Neustädter Markt bedeckten die Jahrmarktsbuden, vor denen aber nur wenig Käufer standen. Auf der Hauptstraße wogte noch immer eine dichte Menge, darunter eine große Anzahl von verdächtigen Gestalten. Doch ging es hier weit ruhiger zu als in der Altstadt.
Plötzlich dachte er an Ursula. Und ein heißes Verlangen ergriff ihn, zu ihr zu eilen, seine Schuld zu bekennen und sie um Verzeihung zu bitten. Sein Herz war übervoll.
Kurt bog in den Obergraben ein und ging dann rasch durch die Kasernenstraße bis zum Pförtchen. In wenigen Minuten hatte er die Hospitalstraße hinter sich und stand nun vor dem kleinen Haus des Kriegsrats. Im Wohnzimmer brannte hinter den niedergelassenen Rouleaux mattes Licht.