»Mutter, hinweg!« zischte sie.
»Mirjam,« bat die Stimme.
»Hinweg, sage ich – sie darf nicht mehr leben …«
Gleichzeitig stieß sie die Frau beiseite, und Sonnhild sah ihr wutverzerrtes Gesicht und ihre glühenden Augen über sich gebeugt. Da wurde das Mädchen weggezogen und die beiden Frauen rangen miteinander, bis die Mutter die Schwachwerdende festhielt, ihren Mund zu deren Ohr neigte und ihr leise ein paar Worte zuflüsterte.
Die Wirkung dieser Mitteilung war entsetzlich. Eine Sekunde lang stand die Rasende unbeweglich. Dann warf sie die Hände über den Kopf und fiel mit einem erschütternden Schmerzensschrei hintenüber.
Eine kurze Weile betrachtete die Mutter in bitterer Wehmut ihr Kind. Dann hob sie die Ohnmächtige auf und verschwand mit ihr in der Dunkelheit des Hohlwegs.
Halb betäubt raffte sich Sonnhild empor. Das von Wut entstellte Gesicht wollte nicht vor ihren Augen verschwinden, und der durchdringende Aufschrei gellte ihr noch in den Ohren gräßlich wider.
Endlich wandte sie sich um und kehrte erschöpft nach Hause zurück.