Anesorge krümmte sich vor Freude.
»Mein halbes Vermögen,« rief er, »hätte ich darangegeben, die giftgrünen Pfaffengesichter zu sehen, als sie es erfuhren. Die kugelrunden Domherren werden fauchend umeinander gesprungen sein wie geprügelte Katzen.«
Lächelnd fuhr Waltklinger fort:
»Wenige Tage darauf bietet der Bischof dem Herzog an, er wolle Kirchen und Schulen reformieren. Aber damit war Heinrich nicht einverstanden. Vielmehr läßt er den geistlichen Herrn bescheiden, daß er die Reformation selbst durchführen wolle, und zwar streng nach dem Sinn der Augsburgischen Konfession.«
»Alles, was man vom Tun des Herzogs vernimmt, zeugt für seine Klugheit und Tatkraft,« unterbrach Sorgenfrei.
»Und um das begonnene Werk zu fördern, erklärt Herzog Heinrich dem Bischof gleichzeitig, daß er in den nächsten Tagen den Wittenberger Theologen Jonas zu ihm schicken werde, nach dessen Anordnung zu handeln sei.«
Niclas Anesorge sprang vom Stuhl auf und durchmaß stürmischen Schritts die Stube.
»Ein Segen ist dieser Herzog für das Land!« rief er wiederholt, »sein Andenken wird nie untergehen im sächsischen Volk!«
»Diese Haltung Herzog Heinrichs hat den Bischof natürlich aufs höchste erbittert, und es hat an heftigen Vorstellungen in Dresden nicht gefehlt. Dem Landesfürsten stehe es nicht zu, hat der Krummstab geäußert, sich in die innern Angelegenheiten der katholischen Kirche zu mischen. Der Fürsten Machtbereich erstrecke sich allein auf weltliche Dinge.
Darauf hat der Herzog in kühlem Ton erwidert, die Angelegenheiten der katholischen Kirche interessierten ihn gar wenig. Dafür bekümmere er sich eifrig um die protestantische Lehre, zu der er sich bekenne, und die nun auch fast alle seiner Untertanen angenommen hätten. Den Bischof werde sein geistliches Hirtenamt nicht mehr drücken, da er fortan nur noch verschwindend wenig Schäflein besitzen würde.«