»Als ob wir nicht schon Beweise genug dafür hätten, wie's gemacht wird, damit uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen,« bestätigte Heinrich Faust.

»Wenn die katholische Kirche sich mit der Stadt um etwas streitet, hat diese von Rechts wegen unrecht,« erklärte Valentin Heide lachend.

Hans Mortitz, der Gewürzzehntner, nickte beifällig.

»An den Fingern könnte man die Fälle herzählen, wo es so eintrat,« meinte er.

Der Burgemeister vernahm diese Stimmen nicht ungern.

»Daß das Kloster sich der hohen Protektion des Siebeneichener Herrn erfreut, wissen wir,« sagte er trocken. »Wie sie es aber hier drehen und wenden werden, darauf bin ich neugierig. Stadtschreiber, habt Ihr die alten Verhandlungen vollzählig bei Euch?«

»Hier sind sie,« versicherte Valentin Schein.

Da wurde die Unterhaltung gestört. Der Prior, angetan mit grauer Kutte, trat aus dem Kloster und kam mit bedächtigen Schritten heran. Ihm folgte der Lektor mit einer großen Papierrolle in der Hand. Die Parteien begrüßten sich frostig, wurden aber jeder weiteren Verhandlung enthoben, denn über den Frauenmarkt kam soeben ein kleiner Trupp Berittener, mit dem Amtmann an der Spitze. Seine Begleiter waren Hans von Minkwitz, der stellvertretende Schloßhauptmann, und Anton von Schönberg. Vier Burgknechte mit Hellebarden auf den Schultern gingen hinterher.

Ernst von Miltitz war anscheinend gut aufgelegt. Er erwiderte den Gruß nach allen Seiten und ritt mitten unter die Versammelten, während sich seine Begleiter als Unbeteiligte ein Stück seitwärts hielten.