»Ein dringliches Geschäft ruft mich auf die Burg,« versetzte er, »unsere Sache wird ja nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Herr Prior, Ihr seid der Fordernde, bringt vor, was Ihr zu sagen habt.«
Der Angesprochene, ein alter Mönch mit gebeugtem Kopf und rundem Rücken, versetzte:
»Der Streit währet nun schon viele Jahre, und es wäre wohlgetan, ihn zu beendigen. Das Kloster verlangt die Hinausschiebung der Friedhofsmauer um zwei Ellen. Zur Abtretung des Streifens Land hat sich die Stadtverwaltung bereits verpflichtet …«
»Verpflichtet?« fiel hier der Burgemeister erregt ein.
»Laßt der Rede ohne Unterbrechung Lauf,« begütigte der Amtmann und sah von neuem auf den greisen Prior.
»Verpflichtet, sage ich,« sprach dieser weiter. »Wie anders würden wir das als Forderung bezeichnen, um was wir sonst nachsuchen müßten.«
»Nun, Herr Burgemeister,« versetzte Ernst von Miltitz, »was habt Ihr hiergegen vorzubringen?«
Georg Waltklinger war heute morgen ziemlich unwirsch erwacht. Das Bewußtsein, mit dem Amtmann verhandeln zu müssen, hatte seinen Nachtschlaf beeinträchtigt. Dazu reizte ihn der Streit mit dem Kloster. Und was bedeutete die befremdende Freundlichkeit des Amtmanns? Dahinter mußte etwas stecken! Der sonst besonnene Mann empfand Argwohn und Unruhe, und sein heißes Temperament rang heimlich mit der kühlen Beherrschung.
»Schon unter meinem Amtsvorgänger,« erwiderte er, sich zur Ruhe zwingend, »hat das Kloster sein Ersuchen an die Stadt gerichtet. Die Erfüllung scheiterte trotz aller Geneigtheit des Rats an der fehlenden Bereitwilligkeit zu Gegenleistungen. Zu einem Abschluß ist es nicht gekommen.«
Der Amtmann wandte sich wieder an den Prior.