»Ich selbst bin es gewesen,« versetzte dieser, »der damals, es mögen an die zwanzig Jahre verstrichen sein, die Unterhandlungen des Klosters als Lektor führte.«
»Unterhandlungen!« rief der Burgemeister, »aber kein Abschluß. Es ist nichts verbrieft und nichts besiegelt.«
»Vielleicht sind die Parteien geneigt, sich zu vergleichen,« riet der Amtmann.
»Wir wären gern einverstanden,« versetzte der Prior, »dem Schaden muß doch abgeholfen werden, bevor er unheilbar ist. Der Friedhof ist des Klosters und dient den frommen Brüdern als letzte Ruhestätte. So die Stadt unsere Forderung bewilligte – auch ihr mangelt es an Begräbnisplätzen –, wären wir erbötig, den Bürgern einen Teil des Gewonnenen einzuräumen. Das ist mein Vorschlag.«
Ernst von Miltitz wandte sich an Waltklinger.
»Wie denkt Ihr darüber? Mir will das Anerbieten günstig erscheinen.«
Die Ratmannen verhielten sich still und sahen auf ihren Burgemeister. Nur vereinzelt tönten aus ihrer Mitte Zeichen des Beifalls.
In Waltklinger begehrte der Eigensinn auf. Amtmann und Prior waren ihm beide verhaßt. Warum auch sich vergleichen! Lieber diesen ohnehin geringen Gewinn der Stadt entgehen lassen. Sie würden hinterher ja doch nur triumphieren, dem Rat einen Vorteil abgelistet zu haben. Für diesen Spott von Kirche und Adel war der Bürger zu gut!
»Herr Amtmann,« erklärte er schroff, »die Stadt beabsichtigt nicht, auf einen Vergleich einzugehen. Der angebotene Raum hülfe unserm Bedürfnis nicht ab, da er viel zu klein wäre. Der Rat erwägt überdies die Anlage eines größeren Friedhofes vor dem Jüdentor.«