Ernst von Miltitz war ein feiner Menschenkenner. Er ahnte, was in dem Erregten vorging. Eine kurze Weile war er unentschlossen, ob er die ungehörige Form des Einspruchs rügen solle. Da bestimmte ihn der gemäßigtere Ton Waltklingers es zu unterlassen.

»Herr Burgemeister,« versetzte er ruhig, »Ihr befindet Euch in einem Irrtum. Nicht einen ausführlichen Schriftsatz verlangt das Gesetz über Abmachungen dieser Art, sondern eine schriftliche Anerkennung. Als solche muß ich den Vermerk Eures Amtsvorgängers ansehen.«

Georg Waltklingers Auge glühte. Er reckte sich hoch auf, und die Umstehenden sahen, daß er zitterte. Wie er so stand, mit wogender Brust, den schönen Kopf mit dem kurzgeschnittenen Vollbart zurückgeworfen, bot er ein Bild wahrhafter Männlichkeit – hingerissen von der Leidenschaft.

»Herr Amtmann,« rief er mit bebender Stimme, »das bedeutet eine Vergewaltigung der Stadt …«

»Bist du unsinnig?« rannte ihm Peter Sorgenfrei von hinten zu.

Waltklinger empfand den Warner wie einen neuen Feind. Seine Wut wurde durch die Beschwichtigung nur noch größer. Er wandte den Kopf nach ihm zurück …

In demselben Augenblick machte das Pferd des Amtmanns eine rasche Bewegung. Das lange Stehen hatte es ohnehin unruhig gemacht, und sein Schweif hatte rastlos die Mücken abgewehrt. Jetzt mußte das Tier den Stich eines dieser Blutsauger empfinden. Es tat einen plötzlichen Schritt vorwärts und bäumte auf. Waltklinger hatte sich gereizt zu Sorgenfrei gewendet, da fuhr er herum. Des Pferdes Kopf war dicht über dem seinen. – Der Amtmann fühlt sich verletzt, durchblitzte es ihn, er will dich überreiten. Und seine erregte Phantasie ließ eine erhobene Reitpeitsche über ihm schweben, die in der nächsten Sekunde niederfallen mußte. Sollte der Bürger warten, bis ihn der Adlige …

Da griff er schon in die Zügel, um das Pferd zu halten. Aber sein maßloser Zorn hatte ihm alle Überlegung geraubt. Gerade wie das Tier wieder im Niedergehen war, riß er es mit gewaltigem Arm herab, daß es fast auf die Knie niederbrach. Der Reiter, durch das plötzliche Aufbäumen zurückgeworfen, wurde jetzt auf den Pferdehals geschleudert und stürzte kopfüber herab, noch ehe die Umstehenden zur Hilfe herbeispringen konnten.

Nun hoben sie den Besinnungslosen auf; sein Gesicht war vor Schmutz fast unkenntlich.

Noch hielt die Bestürzung alle im Bann, als Hans von Minkwitz, der stellvertretende Schloßhauptmann, vom Pferde sprang und rief: