»Meine Eltern wohnen in Dresden. Ich bin nur für einige Wochen auf unserem Schlosse Siebeneichen gewesen. Ich werde an des Herzogs Hof erzogen.«
»O, du Armer!« hatte das Mädchen ausgerufen und ihn mitleidig angesehen. Aber schon war in ihrem Auge der Schalk wieder aufgeblitzt, und sie war eben im Begriff gewesen, ihn anzuschlagen und davon zu eilen, als er die Hände der neben ihm Sitzenden ergriffen und gefragt hatte:
»Ich habe heute deine Mutter ja nicht gesehen? Wo ist sie gewesen?«
Da hatte sie ihn ernst betrachtet.
»Hättest du sie gern gesehen?«
»Ja,« hatte er geantwortet, »du mußt eine recht gute Mutter haben.«
»Du bist ein lieber Junge, Bernhard,« hatte sie leise erwidert. »Habe Dank für deine freundlichen Worte. Meine Mutter ist seit vielen Jahren tot. Der Vater sagt, sie sei schon auf Erden ein Engel gewesen.«
Und wie sie das sprach, war ein schmerzlicher Zug in ihr liebliches Gesicht getreten. Doch hatte sie die Rührung bald niedergekämpft und ihn gefragt:
»Werden wir uns einmal wiedersehen?«