»Nein,« erwiderte die Frau, der die weiche Regung Sonnhilds nicht entgangen war, »ihr Verstand ist gesund. Oder doch, – Ihr habt recht, sie hatte in jener unseligen Stunde den Verstand verloren.«
Die Frau tat einen tiefen Atemzug. Dann sprach sie weiter.
»Hört, was ich Euch sage. Mein armes Kind besitzt das Blut seiner Mutter. Sie liebt mit grenzenloser Leidenschaft. Auch ich tat es einst. Heute hasse ich ihn, den ich liebte.«
Sonnhild empfand Unbehagen beim Klang dieser Worte.
»Aber was habe ich mit der Liebe Eurer Tochter zu schaffen?« fragte sie.
»Sie hat Euern Junker wiederholt von der Ferne gesehen. Seine männliche Schönheit hat ihr's angetan. Leidenschaft hat ihre Vernunft erdrückt, sonst wäre es nicht dahin gekommen. Die Eifersucht eines Weibes ist um so maßloser, je größer ihre Liebe ist …«
Sonnhild erzitterte. Darum also! Einer warmen Empfindung nachgebend, sagte sie:
»Seht, Frau, und versichert Eurer Tochter, daß ich ihr verzeihe.«
»Möchtet Ihr das meinem Kinde nicht selbst sagen?«